Main-Klinik will verwaiste Internisten-Praxis fortführen

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11.02.2010

Mit dem GKV-Modernisierungsgesetz vom 14.11.2003 (GMG) wurde die vertragsärztliche Versorgung erheblich reformiert. War der Prototyp bis dahin der allein niedergelassene Arzt, allenfalls noch der Arzt in der Gemeinschaftspraxis, so trat mit dem GMG (Paragraph 95 SGB V) gleichberechtigt das Medizinische Versorgungszentrum an seine Seite. Seitdem können auch Kliniken - zusammen mit niedergelassenen Ärzten oder mit angestellten Ärzten – an der ambulanten Patientenversorgung teilnehmen. Mittlerweile gibt es mehr als 1.000 solcher Einrichtungen in Deutschland, davon viele in kommunaler Trägerschaft. In Unterfranken haben beispielsweise die Kreiskrankenhäuser Main-Spessart und die Kreiskliniken des Landkreises Haßberge bereits jeweils ein Medizinisches Versorgungszentrum an ihren Krankenhäusern gegründet. Damit wird die Verzahnung von „ambulant“ und „stationär“ weiter vorangetrieben. Voraussetzung für die Gründung sind mindestens zwei Vertragsarztsitze.

Die Main-Klinik hat bisher die Gründung eines Medizinischen Versorgungszentrums nicht angestrebt. Die seit 1. Juli 2009 an der Klinik ansässige Chirurgie-Praxis kooperiert zwar eng mit der Hauptabteilung Chirurgie der Main-Klinik, wird aber von einem niedergelassenen, selbstständigen Arzt betrieben.
Darüber hinaus besteht seit einigen Jahren der Verbund „Main-Gesundheitszentrum Ochsenfurt Am Greinberg“ als Zusammenschluss aller Partner an der Main-Klinik.

Neuer Handlungsdruck entsteht nun aufgrund der Tatsache, dass wegen des Todes eines fachärztlich tätigen Internisten in Ochsenfurt ein Vertragsarztsitz frei wird. Soll dieser für die Versorgung im südlichen Landkreis wichtige Vertragsarztsitz in Ochsenfurt auf Dauer und zuverlässig gehalten werden, bedarf es eines Engagements der Main-Klinik. Dies ist nur mit der Gründung eines Medizinischen Versorgungszentrums und dem Erwerb des internistischen Vertragsarztsitzes möglich.

Aufgrund dieser Sach- und Rechtslage haben die Aufsichtsgremien der Main-Klinik – der Verwaltungsrat des Kommunalunternehmens des Landkreises Würzburg einstimmig, der Aufsichtsrat der Main-Klinik gegen eine Stimme – in ihren Sitzungen am 18. Januar 2010 beschlossen, sich um die Fortführung der internistischen Praxis zu bewerben. Zugleich wurde ausdrücklich erklärt, dass nicht beabsichtigt ist, sich um weitere Vertragsarztsitze, insbesondere nicht um Hausarztsitze, zu bewerben.

Folgende Aspekte waren für die Entscheidungsfindung maßgeblich:

  1. Ein Medizinisches Versorgungszentrum ist laut Gesetz nicht nachrangig, sondern eine gleichberechtigte Alternative zur Einzel- oder Gemeinschaftspraxis.
  2. Mit einer vom Landkreis getragenen Einrichtung können die beiden Vertragsarztsitze auf Dauer in Ochsenfurt gesichert werden.
  3. Mit dem Medizinischen Versorgungszentrum werden die in Ochsenfurt niedergelassenen Ärzte nicht benachteiligt oder beeinträchtigt, da kein zusätzlicher Vertragsarztsitz geschaffen wird. Insbesondere die hausärztliche Versorgung bleibt vollständig in der Hand der niedergelassenen Ärzte.
  4. Das vorgeschlagene Modell stellt die Behandlungssituation der Jahre vor 2005 wieder her.
  5. Mit dem Modell können die gastroenterologischen und kardiologischen Fähigkeiten und Kenntnisse der Main-Klinik-Internisten auch im ambulanten Bereich für die gesamte Bevölkerung, das heißt auch für so genannte Kassen- und nicht nur für Privatpatienten, genutzt werden. Aufgrund der rechtlichen Beschränkungen müssen so genannte Kassenpatienten mit speziellem Behandlungsbedarf derzeit noch nach Würzburg fahren.
  6. Die beiden Vertragsarztsitze entsprechen in vollem Umfang dem Versorgungsauftrag der Main-Klinik mit den Hauptabteilungen Innere Medizin und Chirurgie.
  7. In ökonomischer Hinsicht bedeutet das Modell eine erhebliche Einsparung bei den Geräteinvestitionen. Trotzdem könnten durch eine Praxis-Ansiedlung an der Klinik auch im ambulanten Bereich Medizin-Technik zum Einsatz kommen, die das üblicherweise in einer Praxis vorhandene Niveau erheblich übertrifft.
  8. Der Standort „Main-Gesundheitszentrum Ochsenfurt Am Greinberg“ wird dadurch erheblich gestärkt.
  9. Chirurgische wie internistische Facharztpraxen sind wesentlich auf Zuweisungen von niedergelassenen Kollegen angewiesen. Die Main-Klinik strebt daher keinesfalls eine Konkurrenzsituation zu anderen niedergelassenen Ärzten an, vielmehr soll die medizinische Kompetenz in der Region Ochsenfurt weiter ausgebaut werden.


Folgende Schritte wurden nach dem Beschluss der Aufsichtsgremien unternommen:

  1. Der Gesellschaftsvertrag der neu zu gründenden Träger-GmbH (hundertprozentige Tochter der Main-Klinik Ochsenfurt gGmbH) wurde - nach Prüfung und Billigung der Regierung von Unterfranken - am 22. Januar 2010 notariell beurkundet.
  2. Das Zulassungsverfahren bei der Kassenärztlichen Vereinigung wurde bereits eingeleitet. Eine Entscheidung über den Antrag trifft der Zulassungsausschuss voraussichtlich im März. Maßgeblich ist im Wesentlichen die Qualifikation der Bewerber.
  3. Die Erben des verstorbenen Arztes sind – vorbehaltlich einer zustimmenden Entscheidung des Zulassungsausschusses - bereit, den Arztsitz an die Main-Klinik zu veräußern. Eine Einigung über alle Modalitäten wurde am 29. Januar 2010 erzielt. Die Erben sehen mit der Übernahme der Praxis durch die Main-Klinik zum 1. April 2010 die Interessen der Patienten an einer qualitativ hochwertigen und nahtlos sich anschließenden Behandlung gewahrt. Außerdem kann auf diese Weise ausgeschlossen werden, dass die Praxis durch weiteren Zeitablauf an Wert und Bedeutung verliert und gegebenenfalls sogar der Vertragsarztsitz in Ochsenfurt selbst gefährdet wird.


Die MVZ-Gründung mit den Fachrichtungen Chirurgie und Innere Medizin führt letztlich nur den Rechts- und Praxiszustand her, der bis zu den Jahren 2000 beziehungsweise 2005 bestand. Bis zu diesen Jahren waren die Chefärzte der Inneren Medizin beziehungsweise der Chirurgie gemäß Paragraph 116 SGB V weitgehend ermächtigt, in der so genannten Chefarzt-Ambulanz ambulant tätig zu werden. Erst die Niederlassung eines Chirurgen im nördlichen Landkreis (Bergtheim) beziehungsweise die Niederlassung von Internisten in Ochsenfurt führten zum Verlust der Ermächtigung. Die Patienten haben damals mit großem Unverständnis reagiert, da eine durchgängige Behandlung nicht mehr möglich war. Mit der Angliederung der internistischen Praxis könnte endlich wieder der gleiche Versorgungszustand für Privat- und Kassenpatienten hergestellt werden.